Zwei Legenden, die zusammengehören
Zur Legende sind sie beide geworden: Der Adenauer mit dem Vornamen Mercedes und jener mit dem Vornamen Konrad.
Gemeinsam hatten sie unvergessliche Auftritte: Etwa beim Neujahresempfang 1956 in Bonn vor der Villa Hammerschmidt; in Berlin im Jahre 1960; und auf der Fahrt mit Bundespräsident Heinrich Lübke 1963.
Bundeskanzler Konrad Adenauer schätzte den Mercedes-Benz der Klasse 300d als Dienstwagen – so sehr, dass die ganze Klasse den Namen »Adenauer-Mercedes« erhielt.
Bei der Wahl des legendären Dienstwagens soll übrigens das sogenannte Hut-Problem den Ausschlag gegeben haben: Bei dem BMW, der ebenfalls getestet wurde, war die Kopffreiheit nicht gegeben.
Damals trug man eben Hut, erst recht als Bundeskanzler.
Der Mercedes 300d bot genug Platz, und so ging er vor seinem Konkurrenten BMW als Sieger hervor. Und bald wurde der Mercedes 300d nur noch Adenauer-Mercedes genannt.
Der Mercedes 300 – ein exklusives Vergnügen
Auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung im Frühjahr 1951 wurde er das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt: der Mercedes 300, das Flaggschiff aus Stuttgart. Als Limousine befand er sich von Ende 1951 bis März 1962 in Fertigung. Die ersten drei Ausführungen wurden in 7746 Exemplaren hergestellt (zusätzlich gab es 642 Cabriolets).
Vom 300d, der sich in der Karosserieform deutlich von seinen Vorgängern abhob, wurden noch einmal 3077 Exemplare aufgelegt (davon 67 Cabriolets).
Er wurde als Pullmann-Landaulett gebaut, eine Sonderausführung für Staatsbesuche.
Nach Bundeskanzler Konrad Adenauer erhielt die Baureihe ihren Namen, aber auch andere Prominente wussten die Exklusivität des Mercedes 300 zu schätzen: Gary Cooper, Errol Flynn und Maria Callas zählten zu den Besitzern – und Papst Johannes XXIII.
Die Limousine des Papstes war ein absolutes Einzelstück. Der Radstand wurde um einen halben Meter verlängert, um Platz im rückwärtigen Abteil zu schaffen. Im Fonds wurde ein mächtiger Einzelsitz eingebaut mit dazugehörigem Fußschemel, gegenüber befanden sich zwei Notsitze für Begleiter.
Beim Öffnen der Tür klappte ein Trittbrett heraus, die erhöhten Fenster waren natürlich aus Panzerglas.
Der Mercedes 300d – Krönung einer Baureihe
Der Mercedes 300d wurde nicht zuletzt wegen seiner weichen Federung geschätzt.
Die späteren Modelle, gebaut 1958 und zugelassen 1960, wurden mit speziellen SL-Roadster-Vorderradbremsen ausgerüstet, um noch besseren Einsatz bei Vierganggetriebe zu erzielen.
Der 300d bekam als letzte Weiterentwicklung und Krönung der Baureihe eine sogenannte pfostenlose Vollsichtkarosserie, gegen Aufpreis gab es statt Faltschiebedach auch ein Stahlschiebedach.
Der Sechszylindermotor brachte es auf 125 PS und 160 km/h, durch Saugrohr-Einspritzung war eine Leistungssteigerung auf 160 PS möglich.
Auf Wunsch gab es auch ein neues vollsynchronisiertes Schaltgetriebe.
Der Innenraum wurde gegenüber den Vorgängern verändert, und als Neuheit zierte ein Becker-Automatikradio das Armaturenbrett.